ARBEITSANREGUNGEN
Die folgenden drei Vorschläge zu Themen aus dem Grundsatzreferat von Prof. Bucher beim PGRKongress in Mariazell bzw. aus den Wiener Diözesanversammlungen bieten einen Leitfaden für eine konkretere Auseinandersetzung im PGR.
1. DER PGR ALS ORGANISATIONSRAHMEN FÜR INITIATIVEN
Ausgangspunkt: „Moderne“ Themen sind laut PGR-Studie selten auf der Tagesordnung von PGRSitzungen. Es geht um Themenbereiche wie Schöpfungsbewahrung und Umwelt; Gesundheit, Lebensgestaltung, neuzeitliche Spiritualität; Soziale Fragen, Solidarität und Gerechtigkeit; Globale Solidarität, Eine-Welt-Arbeit, Wirtschaftsgerechtigkeit. Spielen diese in der Pfarre keine Rolle?
In Marizell wurde vermutet, dass es im PGR immer stärker darum gehen wird, einen Organisationsrahmen oder eine Plattform für pfarrliche, kirchliche und auch gesellschaftliche Initiativen zu bilden, um auf diese Weise den Auftrag der Kirche zur Weltgestaltung (2. Vat. Konzil) aus dem Geiste des Evangeliums zu fördern; Kurz, um Alltags- und Lebenswelt von Menschen mit dem Glauben in Verbindung zu bringen. Eine Pfarre wird alleine nicht alle diese Themen abdecken können - doch ist die Zusammenarbeit mit Initiativen aus dem gesellschaftlichen Bereich vielleicht ohnehin auch eine missionarische Chance, über Werte des Glaubens ins Gespräch zu kommen.
Eine anfängliche Besprechung dazu im PGR könnte bei einer Gesamtdauer von 60 Minuten etwa wie folgt strukturiert werden (vorausgesetzt wird ein Konsens, dass dieses Thema aufgegriffen werden soll):
1. Einleitung und Nennung des Ausgangspunktes (siehe oben)
In Einzelarbeit oder je zwei Personen auf Kärtchen festhalten und aufzählen, welche Initiativen aus den oben genannten Themenbereichen den PGRäten bekannt sind, welche im Pfarrgebiet aktiv sind….(pro Initiative 1 Kärtchen)
2. Ideensammlung:
- Gibt es bereits Berührungspunkte mit bestehenden Initiativen?
- Welche Berührungspunkte könnte es geben, d.h. wo im Verlaufe eines Jahres wäre Gelegenheit zu einer Annäherung bzw. einer gemeinsamen Aktion?
- Welche Initiativen könnte eigentlich die Pfarre setzen, um im Pfarrgebiet verschiedene Gruppen/soziale Schichten/Milieus in Verbindung zu bringen?
3. Aus den Möglichkeiten wird 1 Projekt
(z.B. eine gemeinsame Aktion mit einer nicht-pfarrlichen Initiative) für das kommende Arbeitsjahr gewählt; Wichtige Planungsschritte (Kontaktnahme, Verantwortlichkeit, Zeitraum…) werden in der Sitzung festgehalten Alternative für die Planung eines Projektes, wenn das noch nicht durchführbar ist: Planung einer Kontaktnahme zu einer Initiative nach dem Motto: Die Pfarre such Kontakt zu „Menschen guten Willens“ und kommt über bedeutende Lebensfragen ins Gespräch, und bringt sich aus dem Glauben heraus in den Lebensraum der Pfarre gestaltend ein.
- In der Sitzung wird eine Gruppierung gewählt, die von Wichtigkeit und Interesse ist;
- Die Kontaktnahme wird geplant: wer? In welchem Zeitraum? Anlass? Wichtig: Anliegen und Ziel einer Begegnung formulieren!
2. DER PGR BEGINNT SICH MIT ANDEREN ORTEN VON KIRCHE ZU VERNETZEN
Ausgangspunkt: Prof. Paul Zulehner betont in der Auswertung der Studie die Notwendigkeit einer Überwindung eines „Campanilismo“ = eine zu starke Fixierung nur auf den eigenen Pfarrbereich. Nicht jede Pfarre muss alles selber leisten; differenzierte Ansprüche und die Sinnsuche der Menschen erfordern eine Vernetzung von verschiedenen Einrichtungen, Pfarren und „Orten, an denen Kirche auf spezielle Weise gelebt wird“ (siehe Prof. Bucher, IV, Seiten 21-22)
Es geht besonders um die Themenbereiche:
- Orte heute gesuchter Spiritualität (Klöster, Bildungshäuser, Erneuerungsbewegungen, Wallfahrtsorte, Pilgerwege, Ordensvereinigungen, …),
- Orte des Engagements in der Welt (Katholische Aktion, Plattform WIGE, ARGE-Schöpfung,…),
- Besondere Seelsorgsbereiche (Krankenhaus, Gesprächsinsel, Telefonseelsorge, Caritaseinrichtungen…) sowie
- andere Pfarren, christliche Kirchen, Religionen.
Vernetzung zu suchen, bedeutet keine Fusionierung oder Aufgeben des Eigenen, sondern die Suche nach einer guten Ergänzung, sodass man im geschwisterlichen Geist den Menschen der Pfarre für ihre Glaubenssuche und Sehnsucht etwas anbieten kann, was aus welchen Gründen auch immer die Pfarre selbst nicht leisten kann. Begegnung und Vielfalt kann bereichern - sie bringt der Pfarre immer neue Impulse und verankert die Pfarre im großen Horizont der Kirche von heute. Eine anfängliche Besprechung dazu im PGR könnte bei einer Gesamtdauer von 60 Minuten etwa wie folgt strukturiert werden (vorausgesetzt wird ein Konsens, dass dieses Thema aufgegriffen werden soll):
- Nach Nennung des Ausgangspunktes - siehe oben - (je nach Zeitrahmen ausführlich oder knapp) Bestandsaufnahme: Welche Orte von Kirche kennen die PGRäte aus eigener Erfahrung - je ein Kärtchen; Welche kennen sie vom „Hören-sagen“ - ebenfalls ein Kärtchen
- Erzählen von Eindrücken und Erfahrungen: Was ist anziehend an diesen Orten? Was erlebt man problematisch? Welche Elemente oder Merkmale könnten auch für die eigene Pfarre Bedeutung haben? Welche Erfahrung über die Menschen von heute sind an diesen Orten sehr wichtig - sind diese auch für die Pfarre bedeutsam?
- Wie könnten die Leute in der Pfarre mehr von der Vielfalt kirchlichen Lebens und Wirkens erfahren? Wie könnten sie dazu Anschluss finden? Wie könnte die Pfarre versuchen, kirchliches Leben in seiner ganzen Fülle den Menschen näher zu bringen? Was ist dahingehend den einzelnen PGR-Mitgliedern ein besonderes Anliegen?
Vielleicht gibt es einen „Ort von Kirche“, zu dem es wichtig wäre, Kontakt aufzunehmen…. Regelmäßigen Kontakt zu halten…. Eine Begegnung (in kleinem oder großen Rahmen) zu gestalten… Gemeinsam das Anliegen und ein Ziel einer Begegnung/ einer Aktion/ eines Projektes formulieren und in einer der folgenden Sitzungen konkretisieren.
3. WELCOME-SERVICE IN DER PFARRE
Von vielen Pastoraltheologen, in vielen „Leserbriefen“ und auch in Gesprächen im Zuge der Wiener Diözesanversammlungen wird immer wieder die Gefahr benannt, dass sich Pfarren zu sehr auf sich selbst konzentrieren und ein Beziehungsgeflecht entwickeln, zu dem es „von außen“ kaum noch möglich ist, Anschluss zu finden. „Fremde“, welche in die Pfarre kommen, werden oft nicht beachtet, nicht in Empfang genommen oder, im Gegenteil, sofort vereinnahmt und mit der Frage nach Bereitschaft zur Mitarbeit konfrontiert. Oft hört man: Die Kirche wäre heute sehr gefragt, doch sie geht zuwenig auf die Menschen zu und bleibt in der Begleitung von Menschen vieles schuldig.
Die persönliche Begegnung kommt oft zu kurz. Man rechnet nicht mehr mit „Neuzugängen“ außer aus dem hauseigenen Nachwuchs (vgl. dazu aus dem Referat von Prof. Bucher III, Seiten 19-21). Oft trifft man in den Pfarren auf Resignation: Alles schon probiert. Die Leute wollen nicht. Setzt man zu hoch an? Gibt es nicht ganz einfache Dinge, die im Lauf der Zeit wirken?
Eine anfängliche Besprechung dazu im PGR könnte bei einer Gesamtdauer von 60 Minuten etwa wie folgt strukturiert werden (vorausgesetzt wird ein Konsens, dass dieses Thema aufgegriffen werden soll):
- Einleitung und Nennung des Ausgangspunktes (siehe oben, ev. aus der Diözesanversammlung zitieren, siehe auch Grundsatzteil dieser Ausgabe sowie das Referat Prof. Bucher auf Seite 19-21)
- Es geht nicht um Selbstanklage, schon gar nicht um Anklage einzelner!
- Gegenstand des Gespräches soll auch nicht das Interesse oder Nicht-Interesse der Menschen an Kirche und Pfarre sein
- Ziel des Gespräches ist einzig und allein, sich in „Fremde“ einzufühlen, wahrzunehmen, wie die Pfarre in diesem Punkt wirkt und dasteht sowie Möglichkeiten einer Verbesserung ins Auge zu nehmen
- Bestandsaufnahme (Einfühlung): Wie leicht ist es, an die Pfarre Anschluss zu finden? Was alles muss jemand mitbringen, damit er/sie Anschluss findet und integriert wird? Wie werden neue Mitglieder wahrgenommen und aufgenommen?
- Wie können wir darauf reagieren? Welche vorhandenen Möglichkeiten (rund um Gottesdienste und Kirchenjahr) werden zu wenig genutzt? Wo bestehen Möglichkeiten aus der Sicht der Pfarre - aus der Sicht eines „Fremden“? Wo können neue Möglichkeiten geschaffen werden? (kleine Schritte!)
Zusatzüberlegung: Vielleicht gibt es Themen, von denen die Menschen den Eindruck haben, diese kommen in einer Pfarre einfach nicht vor, obwohl sie ihnen besonders wichtig wären. Diese könnten sein aus den Bereichen:
- Umgang mit persönlichen Problemen (Beziehungen, Sexualität, Krankheit, Familiengeschichte…)
- Selbstverwirklichung (Erfolg, Beruf, Stress, Freizeit, Vergnügen…)
- Einsamkeit, Sinnkrisen, Entfremdung vom Glauben Diese Themen kommen sehr häufig in Gestalt von „Idealen“ oder „Gefahren“ zur Sprache.
Wie könnte es gelingen, sie anders zur Sprache zu bringen? Vielleicht findet eine andere - in Kontakt zu anderen Orten von Kirche oder mit nichtkirchlichen Gruppen/Personen gestaltete Weise neues Interesse am Leben der Pfarre und dem, was sie aus ihrem Glauben her trägt.