Die Bedeutung der PGR-Studie 2009
für die Wahlvorbereitung 2012

1. Ergebnisse zur Motivation der PGRäte

In der PGR-Studie zeigt sich ein Wandel in der Motivation bei jetzigen Pfarrgemeinderäten an. Zur Hälfte derer, die  „Aus Liebe zur Kirche/zu Christus/aus dem Glauben heraus“ PGR geworden ist, kommt eine zweite Hälfte hinzu, deren Motivation im Einsatz für bestimmte Anliegen, Projekte liegt, im Wunsch, mitzugestalten und etwas für die Pfarre zu bewirken. Je niedriger  die Altersstufe im PGR, desto mehr überwiegt letztere Motivation. Am deutlichsten bei den Unter 30-Jährigen: sie sind motiviert, sich in der Pfarre für die Anliegen der Jugend einzusetzen. Sie wollen nicht einfach in die Fußstapfen des Bestehenden treten, sondern eigene Wege suchen, um den Glauben in ihre Lebensgestaltung zu integrieren. Beide Motivationen dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden, vielmehr gilt es zu entdecken, auf welchen Wegen sich die Berufung zu einem christlichen Leben  in den Menschen Gestalt geben möchte.

Es gilt also zu hinterfragen: Wenn KandidatInnen angesprochen werden – überwiegt dabei das Bild des „alten Ehrenamtes“ (mitarbeiten, und dann wird man schon sehen, was konkret zu tun ist…) oder wird der Bedeutung von Projekten in der PGR-Arbeit Rechnung getragen?  Bildet die Mitarbeit im PGR Möglichkeiten, in „Projekten“ = in umgrenzten, mit Ziel und Vision beschriebenen Aufgaben das Pfarrleben konkret mit zu gestalten und zu erneuern? Die Bereitschaft  von vor allem jüngeren KandidatInnen könnte sich daran entscheiden,  wieweit hier ein Klima des Aufbruchs und der Freude an Erneuerung erkennbar ist.

Im PGR, so die Studie,  sind drei Typen unterscheidbar: Selbstverständlich gibt es noch eine große Zahl von „Mitarbeitern“, die einen am Pfarrer bzw. den leitenden Personen orientierten Einsatz leisten. Sie „packen zu“, wo es notwendig erscheint. Es gibt daneben jene, die ihre Mitarbeit auf einzelne, konkrete „Projekte“ beschränken und sich von anderem eher abgrenzen: sie identifizieren sich mit einer Aufgabe, die ihren Fähigkeiten entspricht, die sie herausfordert und die sie gerne eigenverantwortlich wahrnehmen möchten. Eine dritte Gruppe von PGRäten möchte Mitverantwortung für das Ganze tragen.  Sie sind bereit, sich einzusetzen und zu gestalten, Verantwortung und Führungsfunktion zu übernehmen. Alle drei Ausprägungen sind für den PGR wichtig und notwendig. Diese Situation entspricht auch der
gesellschaftlichen Entwicklung. Dort werden unterschieden:

    1. Ein informelles Engagement, das in spontaner Hilfsbereitschaft, im Zupacken auf Anfrage, im stillen Einsatz für das was nötig ist besonders im Bereich zwischenmenschlicher Hilfe, caritativem und sozialem Einsatz besteht. Es braucht wenig Form, wenig Beauftragung, es entsteht aus freiem Entschluss und Antrieb.
    2. Ein formelles EA, das sich in einer transparenten Rahmenform ereignet: Es ist „öffentlich sichtbar“ und  beinhaltet Verantwortlichkeit, Zielrichtung, Strukturen der Einbindung und Zusammenarbeit in einem größeren Ganzen, dem es dient. Es erfordert eine Ermächtigung zu der übernommenen Aufgabe, ein klares Verhältnis zur Leitung und Partizipation an Entscheidungsprozessen und Wertschätzung. 

Die Mitarbeit im PGR wird sich stärker als formelles Ehrenamt gestalten müssen und zu berücksichtigen haben, dass der wesentliche Antrieb von zwei Quellen her kommt: Der Möglichkeit zur Selbstentwicklung und die Erfahrung der Sinnhaftigkeit dieses Engagements, der Gewissheit, dass der Einsatz von Zeit sich lohnt. Die Bereitschaft zu informellen Ehrenamt geht gesellschaftlich zurück, während sie zum formellen Ehrenamt steigt!

Im Hinblick auf die derzeitige Situation der Pfarren geht es also um  erkennbare Schritte, den Pfarrgemeinderatsarbeit stärker als „formelles EA“ auszubauen – Würde dazu nicht auch gehören, weniger sich in Binnenfragen der Pfarre zu bewegen, sondern sich in die Lebenswelt der Menschen einzubringen und Wege zu entwerfen, den Glaube mit der modernen Lebenswelt in Verbindung zu halten?

2. Vermutete Gründe, die eine Kandidatur erschweren

Neben dem Haupthindernis der Zeitnot auf Grund von beruflichen Anforderungen (75%) zeigt die Studie einige  weitere erschwerende  Faktoren.  Jetzige PGRäte  glauben, dass 50% der angesprochenen KanditatInnen  zu wenig wissen, was die Aufgaben eines PGR sind;   dass 42% sich nicht öffentlich zur Kirche bekennen wollen; dass 33% das Gefühl haben, sie können nichts bewegen und deshalb eine Kandidatur ablehnen würden, dass 23% das Gefühl haben, sie könnten mit dem Pfarrer schwer zusammenarbeiten.

Wenn man dies in der Wahlvorbereitung berücksichtigen möchte, müsste in der Öffentlichkeitsarbeit, in Zusammenkünften, Gesprächen, Pfarrforen etc. darauf eingegangen werden. Die Pfarrgemeinde sollte ein klares Bild darüber haben, welche Bedeutung dem PGR zukommt und worauf man sich vor Ort einlässt, wenn man kandidiert.

Dazu gibt es auch ermutigende Faktoren: Die Möglichkeit, nicht gewählt zu werden, schreckt nur zu 11 %;  PGR und Familie scheint sehr gut vereinbar zu sein;  In der Kirche kann man sich gut verwirklichen; Ein „schlechtes Image“ des PGR  ist, für die Jugend etwas stärker als für andere Altersstufen, insgesamt aber nur zu 6% ein Grund, nicht zu kandidieren. Immerhin 23% der jetzigen PGRäte kamen aus eigener Initiative dazu!

3. Qualifikationen von Pfarrgemeinderäten

In der Frage nach den wichtigsten Eigenschaften, die PGRäte mitbringen sollten, sind sich alle Antwortenden der Studie einig, dass es ohne Interesse an der Kirche und den Menschen nicht möglich ist, in einem PGR zu arbeiten und das steht daher an oberster Stelle. Ebenso wichtig wird empfunden, zuhören zu können, teamfähig zu sein und Freude an Kommunikation zu haben. Dazu gehören Toleranz, Kontaktfreudigkeit und Offenheit gegenüber Neuem. Praktische Fähigkeiten und Organisationstalent scheinen dem gegenüber wesentlich weniger entscheidend zu sein.

Pfarren werden in naher Zukunft sich ungleichzeitig und vielleicht sehr verschieden entwickeln. Gefragt sind also Menschen mit sozialen, kommunikativen Kompetenzen,  die sich auf verschiedene Verhältnisse einstellen können, konkrete Verantwortung zu übernehmen bereit sind an der Entwicklung neuer Strukturen und Seelsorglicher Schwerpunkte mit den Priestern zusammenarbeiten. Eine vorrangige Aufgabe des PGR ist vielleicht, andere zur Mitarbeit anzuregen, für Einbindung von Einzelnen oder engagierten Gruppen zu sorgen.

4. Die Durchführung der Wahlen zum PGR wird mit einer großen

 Akzeptanz als die beste Möglichkeit betrachtet, einen PGR zu bilden (70% Zustimmung) – es scheint entscheidend, dass die Wahlen gut genutzt werden, um das Zusammenleben in der Pfarre und das Zueinander der einzelnen Gruppen und Bevölkerungsteile zu fördern. In den Vorbereitungen sollte daher der Wert der Wahl zum Ausdruck kommen als Möglichkeit einer ausgewogenen Vertretung der Vielfalt des Volkes Gottes und als Möglichkeit, seiner Berufung durch Gott selbst Folge zu leisten, um sich mit seinen Fähigkeiten und Talenten einzubringen und den Weg der Pfarre in die Zukunft mit zu gestalten.


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