Dialog mit den Weltreligionen im pdfDialog mit den Weltreligionen

  1. Grundsätzliches
  2. Konkrete Aufgaben
  3. Hilfestellungen
  4. Kontakte

1. Grundsätzliches

War die Begegnung mit Angehörigen fremder Religionen bis vor wenigen Jahren noch ein Privileg der Fernreisenden, so gehört sie heute bereits in vielen Pfarren zu jenen Ereignissen des Alltags, die zutiefst ambivalent empfunden werden: einerseits als interessante Bereicherung, andererseits als die eigene Identität in Frage stellende Herausforderung. In bewußter Absetzung von jenen theologischen Konzepten, die sich für andere Religionen allein unter dem Aspekt der Missionierbarkeit interessieren, sieht die Kirche heute sehr deutlich auch der Notwendigkeit einer Begegnung im Geiste des Dialoges und der Partnerschaft. Diese Akzentsetzung wurzelt in der Achtung vor "alledem, was in dieser Religion wahr und heilig ist" (Nostra Aetate 2) und entspricht dem biblischen Auftrag in 1 Petr 3,15: "Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die Euch erfüllt!" Jede andere Haltung fremden Religionen gegenüber, die das übliche Niveau menschlichen Umganges unterbietet, widerspricht dem christlichen Gebot der Nächstenliebe und schadet nicht nur der eigenen Glaubwürdigkeit, sondern darüber hinaus auch dem Ansehen und Anliegen von Religion im gesamten in einer zunehmend indifferenten Welt.

Freilich bedeutet diese Offenheit gerade nicht ein Aufgeben eigener Standpunkte, im Gegenteil: Nur derjenige, der in seiner eigenen religiösen Tradition tief verwurzelt ist, vermag auch in der interreligiösen Begegnung seinen authentischen Beitrag zu leisten. -Damit diese Spannung zwischen Offenheit und Zeugnis positiv durchgehalten werden kann, bedarf es auf allen Ebenen kirchlichen Lebens -und besonders auch derjenigen der einzelnen Pfarren -entsprechender Voraussetzungen, die im folgenden kurz umschrieben werden sollen.

  1. Weil sich die interreligiöse Begegnung findet heute vor allem auf der Ebene alltäglichen Miteinanders statt. Größere Konferenzen sollen Experten vorbehalten bleiben. Die gemeindliche Basis erfordert allerdings gut beratene Initiativen und eine qualifizierte Begleitung, damit sie zum Aufbau gedeihlicher Beziehungen und tragender Verhältnisse führen kann.
  2. Interreligiösen Dialog und die Befähigung dazu kann man nicht aus dem Ärmel schütteln. Es gibt heute eine Reihe von Laientheologen, die das erforderliche Rüstzeug von ihrem Studium her mitbringen.
  3. Damit es zur nötigen Koodination gemeindlicher Begegnungen kommt, bemüht sich der „Fachausschuss Weltreligionen“ des Vikariats die Pfarrgemeinderäte regelmäßig zum Austausch von Erfahrungen und zu Beratungen zusammenzurufen (Fachtage). Sie sollen kontinuierliche Schritte zur Koordination interreligiöser Begegnung in unserer Stadt setzen und den Bildungsstand über fremde Religionen und über das eigene christliche Selbstverständnis heben helfen (siehe Teil 17.3.).
  4. Die Begegnung mit den nichtchristlichen Religionen ist die gemeinsame Aufgabe aller Kirchen. Aus diesem Grunde sollen christliche Initiativen zum Dialog der Religionen nach Möglichkeit immer ökumensich, d.h. von allen Christen gemeinsam getragen werden.
  5. Die großen, vom Konzil genannten religiösen Traditionen der Menschheit (Judentum, Islam, Hinduismus und Buddhismus; vgl. Nostra Aetate) bewahren gemeinsam mit den Naturreligionen und den großen religiösen Strömungen Ostasiens -uralte religiöse Erfahrungen und sind daher von jenen modernen Sekten zu unterscheiden, die aus sekundären Motiven und mit fraglichen Methoden operieren und sich einem echten Dialog verweigern. Daher sollte man den Dialog mit den Weltreligionen klar von der Stellungnahme zu neureligiösen Bewegungen trennen. Es sei an dieser Stelle auch darauf hingewiesen, dass eine derartige Vermischung bei den Vertretern der eigentlichen Religionen i.a. berechtigte Befremdung hervorruft.
  6. Vieles deutet darauf hin, dass die Gestaltung der Beziehungen von uns Christen zu Angehörigen anderer Religionen zu den ganz wesentlichen Zukunftsfragen der Kirche zählt. Damit dieses Anliegen vor Ort wahrgenommen werden kann, ist es wünschenswert, dass sich in jedem Pfarrgemeinderat eine Person dieser verantwortungsvollen Aufgabe annimmt.

2. Konkrete Aufgaben

Wirkt das Thema „Weltreligionen bzw. interreligiöser Dialog“ nicht manchmal etwas abschreckend? Zu abstrakt, etwas für das akademische Niveau? Oder zu weit weg von den örtlichen Bedürfnissen einer Pfarre? Wird es nicht manchmal aufgefasst als „Luxusgegenstand“, dem man sich auch noch widmen könnte? Oder gar als Schwäche der Glaubensverkündigung, als Taktik der Unterwerfung? Als eine Bedrohung, die vom eigenen Glauben wegführen würde?

Müssen wir vielleicht unseren Blickwinkel ändern?

Kirche vor Ort als Gemeinschaft Gläubiger zu leben bedeutet begegnungsoffen zu sein und sich in den Dienst Gottes und der Gesellschaft zu stellen. In diesem Sinne an ihr mitbauen, das Reich Gottes in der Welt von heute erfahrbar werden lassen. Dazu gehört ganz wesentlich zu erkennen, dass die Realität anderer Religionen nicht etwas Fernes ist, sondern vielfach mit unserer (direkten) Nachbarschaft zu tun hat.

Es bietet sich uns als Pfarrgemeinden die Möglichkeit, Zeugnis für die Hoffnung, die uns beseelt, abzulegen, vor und mit andersgläubigen Menschen. Wir können zu einer friedlichen Entwicklung der Gesellschaft um uns beitragen, indem wir positive Nachbarschaft leben – auch über die Grenzen von Religionszugehörigkeit hinaus.

  1. Eine günstige Voraussetzung für weitere Aktivitäten ist das Erfassen der Präsenz Andersgläubiger im Pfarrgebiet, und zwar sowohl von einzelnen Personen als auch ggf. von Gemeinden und Institutionen.
  2. Der wichtigste Schwerpunkt des/der Pfarrverantwortlichen für Weltreligionen wird oft im Bildungsbereich liegen. Dies beginnt damit, dass die Weltreligionen zunächst einmal zum Thema von entsprechenden Veranstaltungen gemacht werden sollten (z.B. in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Bildungswerk). Dabei wäre auch auf ein adäquates Niveau zu achten (nicht bloß "Reisevorträge", weder Verteufelung noch Werbung, sondern differenzierte Darstellung). Schließlich sollte dabei auch die Beziehung des Christentums zu den betreffenden Religionen zur Sprache kommen.
  3. Besondere (und je nach Pfarrsituation sehr verschiedene) Bereiche der Begegnung bestehen einerseits in den Schulen, andererseits in sozialkaritativen Institutionen.
  4. Entsprechend der örtlichen Möglichkeiten und Bedingungen sind positive Begegnungen mit Angehörigen fremder Religionen anzustreben. Die Bandbreite reicht von Anteilnahme bei persönlichen Anlässen über Gratulationen zu religiösen Festen, gelegentliche Gespräche und Veranstaltungen bis zu gemeinsamen Aktionen im öffentlichen Interesse (Umwelt, Gerechtigkeit, Frieden, Soziales usw.)
  5. Soweit auf dekanatlicher, regionaler, diözesaner oder österreichweiter Ebene sinnvolle interreligiöse Angebote ausgeschrieben werden, ist der/die Pfarrverantwortliche gebeten, diese u.a. auch durch entsprechende Bekanntmachung bzw. Werbung mitzutragen (z.B. Hinweis im Pfarrbrief, am Anschlagbrett, Verlautbarungen usw.).
  6. Die Begegnung der Religionen hat auch eine liturgische Dimension. Gemeinsam veranstaltete Gebete können bereichernd sein; dies wird von den konkreten Umständen und TeilnehmernInnen abhängen. Daneben ist es auf jeden Fall wertvoll, das positive Verhältnis der Religionen zueinander zum Gegenstand unserer eigenen christlichen Fürbitte zu machen. Außerdem liegt ein erster und bescheidener Beitrag zu einer Kultur des friedlichen Miteinanders in einer wachen Aufmerksamkeit, die bestrebt ist, ein für die Begegnung gedeihliches Klima aufzubauen, indem etwaige gegenseitige Verletzungen in Gottesdienstveranstaltungen und Predigt, aber auch in Pfarrbriefen und anderen Veröffentlichungen vermieden werden.
  7. Der Bereich des interreligiösen Dialoges ist vielfach ein spannendes und herausforderndes Neuland. Wer immer sich hier engagiert, sollte auch die Bereitschaft zu ständiger persönlicher Weiterbildung aufbringen und verwirklichen (Lektüre, Besuch von entsprechenden Vorträgen, Seminaren, Kursen usw.).

3. Hilfestellungen

Die österreichische Bischofskonferenz hat 1989 mit der Kontaktstelle für Weltreligionen (KWR) eine kirchliche Institution ins Leben gerufen, die sich auf christlich-ökumenischer Basis österreichweit ganz dem Gelingen der Beziehung zwischen den Kirchen und den anderen Religionen widmet. Die KWR veranstaltet Bildungsprogramme, unterhält eine öffentlich zugängliche Präsenzbibliothek, ist bei der Vermittlung von Referenten behilflich, veröffentlicht eine vierteljährlich erscheinende Zeitschrift und koordiniert bundesweit die christlichen Bemühungen im interreligiösen Dialog. Jede(r) Interessierte (und in besonderer Weise die Pfarrverantwortlichen) ist herzlich eingeladen, sich an die folgende Adresse zu wenden:

An schriftlichen Hilfen für eine erste Orientierung seien folgende Veröffentlichungen erwähnt:

Nostra Aetate. Erklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen (Zweites Vatikanisches Konzil)

Dialog und Verkündigung. Überlegungen und Orientierungen zum interreligiösen Dialog und zur Verkündigung des Evangeliums Jesu Christi (Päpstlicher Rat für den Interreligiösen Dialog/ Kongregation für die Evangelisierung der Völker; Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls Nr.102, 19.Mai 1991)

Religionen unterwegs. Zeitschrift der Kontaktstelle für Weltreligionen in Österreich

Petrus Bsteh, Christen begegnen Muslimen (Handreichungen zur Pastoral Nr.17), ders. Muslime begegnen Christen (Handreichungen zur Pastoral Nr.20)

4. Kontakte

KONTAKTSTELLE FÜR WELTRELIGIONEN (KWR)

Leitung: Petrus Bsteh, 1090 Wien, Türkenstr.3/ 302, Tel: 317 84 70 (Fax DW 4) oder 317 84 71 E-Mail: kontaktstelle@weltreligionen.at Homepage: www.weltreligionen.at

Fachausschuss des Vikariates Wien-Stadt für Weltreligionen Leitung: DIng. Elisabeth Donaberger, Elisabeth Rathmayer 1010 Wien, Wollzeile 2 Tel: 01-51552-3434

Kontaktstelle für christlich-islamische Begegnung: Leitung: Pfarrer Martin Rupprecht 1150 Wien, Voglweidplatz 7 Tel: 01-9822241